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Projekte

 TRÜFFELSCHWEINE (2011)
von Kristo Šagor

Der Wohnwagen von Saskias verstorbener Oma ist ein einsames Versteck. Saskia, 18, aufgewachsen in einfachen Verhältnissen, hält dort Rike, 15, ein Mädchen der wohl behüteten Rücksitzgeneration, in Fesseln gefangen. Mit der Entführung will Saskia Rikes Vater erpressen, damit der die Anzeige gegen ihren kriminellen Freund zurückzieht. Doch es geschieht - nichts. Niemand reagiert auf die Forderung. Keiner vermisst die beiden.

Zunächst quälen und belauern sich die beiden Mädchen. Ihre Körper, Träume und Philosophien prallen in dem engen Wohnwagen aufeinander. Täterin und Opfer nähern sich langsam an, aus Kälte wird Nähe, aus Enttäuschung Sehnsucht. Sie müssen jedoch erkennen, dass die Gesellschaft um sie herum vor Wärme nicht gerade strotzt. Und sie brechen auf.

Der Wohnwagen wird zum Vehikel, die Reise zur Initiation des Erwachsenwerdens. Die beiden Teenager fahren nach Sibirien, nach Oimjakon, das kälteste Dorf der Welt. Befreit von Zwängen wie Schule und Elternhaus, gierig wie Trüffelschweine machen sich Saskia und Rike auf die Suche nach Liebe, nach Anerkennung und nach Sinn.

Der Autor erhielt für dieses Stück 2005 den 1. Autorenpreis beim 5. Niederländisch-Deutschen Kinder- und Jugendtheaterfestival Kaas & Kappes in Duisburg. Die Laudatoren hoben hervor: „Was Menschen einander antun, um zueinander kommen zu können, das schildert Kristo Šagor in seinem erzählerisch wie sprachlich herausragenden Drama Trüffelschweine.”

Schauspielerinnen: Ulrike Kühn, Sophia Riepe
Regie: Beatrice Scharmann
Ausstattung: Michael Zimmermann
Assistenz: Simone Kreska
Licht: Michael Duckstein-Neumann

Vorstellungen:
Kultur Förderverein e.V. Lelkendorf
- Schloss Lelkendorf (bei Güstrow)
7./13./14. Mai 2011 jeweils um 19 Uhr

Schulvorstellungen:
10./11./12. Mai 2011 um 9:30 Uhr
Karten: 039956 20014
Eintritt: 14 €, Schüler 6 €

www.kunst-erleben.com
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 DER KICK (2008)
von Andreas Veiel und Gesine Schmidt

Marinus Schöberl war 16 Jahre alt, als er durch einen "Bordsteinkick" zu Tode getreten wurde - nachdem ihn drei Kumpels zuvor stundenlang geschlagen, beschimpft und gedemütigt hatten. Es gab erwachsene Zeugen, die nicht eingriffen. Täter und Opfer kannten sich, die Mitwisser hatten die vorangegangenen Misshandlungen mitangesehen, ohne einzuschreiten und schwiegen monatelang. So schockierend die Tat ist, sie ist kein Einzelfall. Was bringt junge Leute dazu, ohne Hemmungen zu quälen und zu töten? Das Stück und die Inszenierung der Chekh-Off Players Berlin gibt den als Monster abgestempelten Tätern eine Biographie und taucht tief in deren gesellschaftliches Umfeld ein, um die Ursachen exzessiver Gewalt von Jugendlichen besser begreifen zu können.

Vorstellungen:

theaterforum kreuzberg (Berlin)
Premiere: 3. April 2008
Weitere Spieltermine:
4./5./6. April
2./3./8./9./10./29./30./31. Mai
und 1. Juni 2008, jeweils 20 Uhr
Schulvorstellungen (auf Vorbestellung):
3./4. April, 8./9./29./30. Mai, jeweils 10 Uhr
Es sind weitere Vorstellungen im September geplant.

Theaterhaus Mitte (Berlin)
16./17./19./20./23./24./26. April 2008, jeweils 20 Uhr
Schulvorstellungen:
16./17./23./24. April 2008, jeweils 10 Uhr

Schloss Lelkendorf (bei Güstrow)
Kultur-Gut pro Regio e. V.
10.-12. April 2008, jeweils 19 Uhr
Schulvorstellungen:
10. und 11. April 2008, jeweils 10 Uhr

theaterBurg Roßlau (Dessau-Roßlau)
Vorstellungen: 12./13., 19./20. August, jeweils 20 Uhr
Karten: 13.-, ermäßigt 9.- Euro
Online-Karten reservieren
oder telefonisch unter: 0340 - 204 27 42
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 toter Mann kommt (2007/08)
eine Produktion der Chekh-Off Players in Kooperation mit der theaterBurg Rosslau. Leitung: Beatrice Scharmann, mit Christina Motsch, Helena Gonzalez Gutierrez, Michael Barz, Jacek Klinke, Bühne und Kostüme: Nele Ahrens, Produktion: Benjamin Kolass, mit freundlicher Unterstützung der JVA Dessau-Rosslau.
Spielorte: Justizvollzugsanstalt Dessau, Nürnberg, Künstlerhaus K4 in Nürnberg zum Tag der Menschenrechte.

ein Theaterprojekt im Rahmen des Aktionstags "Städte für das Leben - Städte gegen die Todesstrafe"

Elaines Sohn, 12 Jahre, wird bei einem Raubüberfall erschossen. Ihr größter Wunsch ist die Hinrichtung des Mörders ... Kates Sohn ist zum Tode verurteilt. Sie sieht die Hinrichtung ... Opfer, Täter, Rache, Schuld, Trauer, Schiessbefehl, Tod.

Ein vielschichtiges Projekt zum Thema Todesstrafe, das nach Wegen des Verzeihens sucht, ausgehend von der Begegnung zweier Mütter. Mit Briefen, Geschichten, Fakten und Tagebuchaufzeichnungen aus dem Todestrakt. Ein Projekt, das das Recht auf Leben neu betrachtet; auf der Suche nach der Instanz in uns, die Leben und Würde Anderer achtet.

toter mann wird beim 100° im theaterdiscounter am 24. Februar 2008 um 19 Uhr nochmal aufgeführt.
Karten unter 030-44048561
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 norway.today (2006/07)
von Igor Bauersima. Leitung: Beatrice Scharmann, mit Lucia Kimmig (in der 2. Staffel umbesetzt mit Christina Motsch) und Richard Krutzsch, Bühne: Roy Spahn, Kostüme: Virginia Arndt, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit: Monika Mundt.
Spielorte: Garn Theater Berlin, theaterforum kreuzberg, Christengemeinschaft Prenzlauer Berg, Theaterdiscounter, Dessau-Rosslau

In norway.today ergreift das Mädchen Julie (20 Jahre) die Initiative. Via Internet sucht sie Jemanden, der bereit ist, sie in den Selbstmord zu begleiten. Im chatroom lernt sie ihn kennen: August, 19 Jahre jung und fast so lebensmüde wie sie selbst. Beide haben sie eigentlich keinen Grund, sterben zu wollen. Sie finden nur keinen guten Grund, weiter zu leben. Und so machen sie sich an die Ausführung ihres wohldurchdachten Planes. Ausgerüstet mit einem Zelt, einer Videokamera und etwas zu essen, begeben sie sich auf die Reise zu einer schneeverwehten Klippe in Norwegen, 600m über dem Meeresspiegel. Aber ihre vermeintlich letzten Stunden verlaufen so gar nicht nach Plan. Ein wunderschönes Polarlicht flackert über den Nachthimmel, unvorhergesehene erotische Anziehungskräfte bringen die Gefühle der beiden gehörig durcheinander, und die Video-Aufzeichnung ihrer Abschiedsreden gerät zum Slapstick zwischen Fake und Sinnsuche, wie soll man sterben, soll man sterben?

Alles geht schief, und dennoch - oder gerade deshalb - finden Julie und August ein Glück, von dem sie sich nicht so schnell erholen werden. Denn auf der Grenze zwischen Leben und Tod wird die Sehnsucht nach dem Leben selbst zum Thema: Die Lust auf Rausch, der "thrill des Extrems", die Frage, was "echt" ist und was " fake", und wie zwei Menschen genesen und aneinander reifen. Sie sind, wie Heinrich v. Kleist sagte, "durch die schöne Anstrengung mit sich selbst bekannt geworden". "Es dreht sich nämlich überraschend komisch um die nicht aufzulösenden Spannungen und Widersprüche zwischen echtem und falschem Gefühl, Lüge und Wahrheit, medialer Virtualität und sozialer Wirklichkeit" (Hamburger Abendblatt)

Igor Bauersima, geboren 1964 in Prag, aufgewachsen in der Schweiz, ist seit 1989 als Architekt, Musiker, Film- und Theaterautor/-regisseur tätig. 1993 gründete er zusammen mit drei Schauspielern die freie Theatergruppe OFF OFF-Bühne für die er neun Stücke schrieb und inszenierte. Mit seinem Stück "Forever Goddard" erhielt die OFF OFF Bühne 1998 auf dem Impuls Festival NRW den Preis für die beste freie Theaterproduktion. Dem Autor, bis heute immer auch sein eigener Uraufführungsregisseur, gelang im Jahr 2000 mit seinem Stück "norway.today" international der Durchbruch. Mittlerweile ist das Stück erfolgreich weltweit an über 100 Bühnen gespielt worden.
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Im Oktober 2007 erhielten die Chekh-Off players für die Produktion "norway.today" den IKARUS 2007. Der IKARUS ist eine Auszeichnung für herausragende Berliner Inszenierungen im Kinder- und Jugendtheaterbereich. Für den IKARUS 2007 wurden u. a. das Grips Theater, die Koproduktion des Deutschen Nationaltheater Weimar und des Theater an der Parkaue, sowie die Vaganten Bühne nominiert. Die Begründung der Jury lautete: "Wenn eine wunderbar differenzierte Stückvorlage auf eine durchgängig mitdenkende Regie und Dramaturgie trifft, die sie mit Schauspielern auf die Bühne bringt, die den Zuschauer immer wieder zur Frage führt, "sind sie es oder spielen sie es nur?", handelt es sich um "norway.today". Der Schauspieler Axel Prahl, Schirmherr der IKARUS-Auszeichnung sagte in seiner Laudatio: "Es ist kein lautes Theater, kein pompöses, heute würde man sagen, es ist kein Event, sondern ein sensibler, leiser aber trotzdem leichter Umgang mit einem schweren Thema und das erreicht die Inszenierung mit einfachsten Mitteln (...) und das Leise ist bekanntlich das Schwerste.

 Antilopen (2005)
Von Henning Mankell, deutsch von Hansjörg Betschart, Regie: Beatrice Scharmann, Bühne: Roy Spahn, Kostüme: Ulla Krause, Licht: Christoph Wüst, Ton: Klaus Wagner, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit: Monika Mundt, Fotos: Thomas Grünholz. Mit Daniela Schneider (Elisabeth) und Steffen Neupert (Lars)
Spielort: Theaterforum Kreuzberg

"Die Hauptpersonen des Stücks sind die Schwarzen. Aber die sind nicht zu sehen." (Henning Mankell über "Antilopen") Zu sehen sind die Weißen. Ein weißes Ehepaar, am Vorabend ihrer Rückkehr nach Europa. Vor 14 Jahren kamen sie nach Afrika, um zu helfen. Aber von 500 Brunnen funktionieren nur drei. Die Ekmans sind gescheitert - an den Umständen, an sich, an Afrika. Nur noch spärlich, mit "Teilstücken westlicher Kultur" bekleidet, entwickelt sich ein grotesker Ehestreit. Ihre gegenseitigen Vorwürfe, Beschuldigungen verdecken und umkreisen ihre Angst vor den Schwarzen, vor dem Fremden, Unverständlichen und dadurch Unberechenbaren. Eine Angst, bis ins Paranoide gesteigert, die Lars Ekman veranlasste, ihre Mittelstandsvilla in einen Bunker umzubauen. Als sich ihr Nachfolger Lundin verspätet, wächst ihre Nervosität und Anspannung. Die Wartezeit wird zur Zeit der Abrechnung. Ihr Ehestreit droht zu eskalieren, plötzlich hat Elisabeth einen Revolver in der Hand, sie droht, befragt, verhört, übernimmt die Rolle des "Kommissars". Wie Wallander in Mankells Kriminalromanen, sucht sie nach Wahrheiten im Gespinst von Lügen, nach Unterscheidungen, die es ihr ermöglichen weiter zu machen. Was war mit den zwei Toten...? Und die Fotos? Da steht Lundin blutüberströmt in der Tür. Im Zeitalter der Globalisierung werden die Aufgaben immer schwieriger - Bekämpfung von Armut, Hungersnot, Dürre, Aids, Kriege. Dennoch hat sich die Wahrnehmung und Haltung gegenüber fremden Kulturen seit dem Kolonialismus nicht wesentlich verändert. Mit der Inszenierung von "Antilopen" möchten wir einen Dialog anregen, in dem wir miteinander, statt übereinander reden, fragen, streiten. Henning Mankell: "Guter Wille muss von Vernunft begleitet sein. Sonst führt er eher zu negativen als zu positiven Ergebnissen. Vernünftig handeln heißt, die Leute zu fragen, denen man beistehen möchte." Henning Mankell, 1948 in Härjedalen, Schweden, geboren, lebt als Theaterregisseur und Autor abwechselnd in Schweden und Maputo, Mosambik. 1985 gründete er dort das Theaterensemble Teatro Avenida. Berühmt wurde Henning Mankell durch seine Wallander-Krimibestseller, die - wie seine Afrika-Bücher - aus seinem Bedürfnis heraus entstanden, über Rassismus zu schreiben.
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 Herz der Finsternis (2005)
("Heart of Darkness") nach Joseph Conrad

Kapitän Marlow erzählt von der Fahrt ins Innere eines unbekannten Kontinents, der einmal das Reich seiner Kinderträume war und nicht mehr wiederzuerkennen ist: Die Weißen, die die Zivilisation bringen sollten, vernichten Menschen und Tiere, und werden verrückt. Auf dem Höhepunkt seiner Reise trifft er den Elfenbeinjäger Kurtz, einen gefallenen Fackelträger der europäischen Zivilisation. Die Reise zur "inneren Handelsstation", wo sich Kurtz aufhält, wird durch die raffinierte Erzählform Conrads nicht nur eine äußere Reise, die sehr genau die Schrecken des Kolonialismus aufzeigt, sondern gleichzeitig eine Reise ins Innere, die das latent Böse in jedem Menschen erkennen und betrachten lässt.

In der szenischen Lesung wird das Publikum in ein Geheimnis eingeweiht - in das Geheimnis Marlows, aber auch in die Finsternis des eigenen Herzens.

Joseph Conrad (1857-1924), englischer Schriftsteller polnischer Abstammung, gilt mit seinen Werken als Wegbereiter der modernen engl. Romankunst. Mehrere seiner Romane handeln von Seefahrten und verarbeiteten autobiographischen Erfahrungen.

Anja Behrens spielt die Erzählerrolle Marlow.
Idee und künstlerische Umsetzung:
Hans Christian Post und Anja Behrens
Spielort: Theaterforum Kreuzberg
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 Spiel's nochmal, Sam (2003/04)
Von Woody Allen, deutsch von Jürgen Fischer, Leitung: Claudius Klein, mit Anja Behrens (Linda), Ralph Stieber (Dick) und Halina Kremser (Nancy u.a.), Ausstattung: Nadine Kälin, Licht: Christoph Wüst
Spielort: Theaterforum Kreuzberg

Mit ihrem zweiten Projekt folgen die Chekh-Off Players ihrem Namensgeber in die Emigration nach New York, in dessen Nähe sich Tschechow zunächst niederließ, um mit den Chekhov-Players seine eigene Schule und Bühne ins Leben zu rufen. Woody Allens 1969 am Broadway uraufgeführte romantische Komödie "Spiel's nochmal, Sam" ist ein Meisterwerk ihrer Gattung, das durch die Verfilmung mit dem Autor und Diane Keaton weltberühmt wurde. Hier tritt zum ersten Mal die Figur des Großstadtneurotikers auf, die in Filmen wie Annie Hall und Manhattan zu einem Porträt des modernen Menschen weiterentwickelt wurde. "Woody Allens Feld", schreibt der Theaterkritiker Georg Hensel, "ist der Witz aus der Verzweiflung. Man hat ihn einen metaphysischen Komiker genannt; er ist eher ein Metaphysiker, der bei der Abschaffung der Metaphysik komisch verzweifelt." Auch in diesem Stück wetterleuchtet die Metaphysik. Denn hinter der Geschichte des Filmkritikers Allan Felix, der von seiner Frau verlassen wird und daraufhin verzweifelt eine neue Partnerin sucht, verbirgt sich die Frage nach dem wahren Selbst.

Felix ist ein maßloser Verehrer Humphrey Bogarts, der ihm in seiner Phantasie als lebenskluger Mentor erscheint, und dem er so vergeblich wie hartnäckig nacheifert. Doch durch die zart sich entwickelnde Beziehung zu der Frau seines besten Freundes belehrt, versteht er schließlich, dass wahre Liebe eben Wahrheit braucht und seine Bindung an ein äußeres Ich-Ideal ihm den Weg zu sich selbst wie zu anderen Menschen versperrt. "Das Geheimnis ist", erklärt er Bogart, "nicht Du zu sein, sondern ich zu sein. Wirklich, Du bist nicht gerade groß und beinahe hässlich. Aber ich bin klein und hässlich genug, um selbst Erfolg zu haben." Dieses mit feinem Pinsel gezeichnete Seelendrama trotz seiner vielfältigen ironischen Brechung erlebbar zu machen, und den Zuschauer ebenso zu berühren wie zum Lachen zu bringen, stellt die Herausforderung dar, der sich die Chekh-Off Players stellen wollen. Dabei interessiert es sie besonders, wie Allen das Innenleben seines Protagonisten unmittelbar durch Traumsequenzen sichtbar macht, in denen verschiedene Ebenen der Wirklichkeit ineinander verschwimmen. Gerade in diesen, an der Technik des Films geschulten Passagen, die gleichwohl äußerst bühnenwirksam sind, gestaltet das Stück einen psychologischen Realismus, wie er im zeitgenössischen Theater nicht häufig erreicht wird. Hier wird die Bühne zum Bewusstseinsraum, und die romantische Komödie, die sich darauf abspielt, erscheint als das Drama der Wünsche und ängste seines Protagonisten, als Widerhall seiner Erinnerungen und Hoffnungen, als Traum und Albtraum der Liebe - und zu guter Letzt als die Geschichte einer inneren Befreiung.
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 Die Zofen (2002)
Von Jean Genet, Leitung: Beatrice Scharmann, mit Blanca Fernandez (Solange), Anja Behrens (Claire), Monica Gruber (Gnädige Frau), Plakat: Ulrike Buhl
Spielort: Theater o.N. (Zinnober)

Immer, wenn die Gnädige Frau ausgegangen ist, spielen die beiden Zofen das Spiel von Unterwürfigkeit und schließlicher Revolte, wobei sie abwechselnd die Rolle der Gnädigen Frau übernehmen. Ein komplexes Gefühl, in dem Zuneigung, erotische Liebe und tiefer Hass sich mischen, bindet sie an die Gnädige Frau, die jünger und schöner ist als sie. Dieses Spiel findet seinen tödlichen Ausgang. Der Mensch ist in einem Spiegelkabinett gefangen, seine eigenen Zerrbilder führen ihn in die Irre. Er versucht zwar, mit seiner Umgebung in Verbindung zu treten. Er sieht die anderen, aber der Weg zu ihnen wird ihm plötzlich durch Glaswände versperrt. Jean Genet will darstellen, wie sich der Mensch in einer endlosen Flucht von Bildern verirrt, die doch alle nur verzerrte Spiegelungen seines eigenen Ich sind - wo Lügen sich mit Lügen überlagern, Hirngespinste sich an Hirngespinsten mästen, wo Angstträume innerhalb von Angstträumen neue Angstträume erzeugen. So sind wir mitten im Wachtraum eines Gefangenen, in den Phantasievorstellungen des Ausgestoßenen, der nutzlose Versuche unternimmt, von den anderen anerkannt zu werden und "dazuzugehören".
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